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Das Kloster als Weg zum Ich

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Achtsam durch den Alltag

Sehen, hören und tasten, aber ohne Ziel“ – so könnte man die Methode der Achtsamkeit beschreiben. In­dem man sich für das, was als nächstes geschehen mag, öffnet, nimmt man auto­matisch eine entspannte Grundhaltung ein. Übungen der Achtsamkeit sind aber nicht auf den Klosteraufenthalt beschränkt, sondern lassen sich gut in den Alltag ein­bauen. So kann man schon nach dem Auf­wachen einige Minuten mit offenen Augen liegen bleiben, bewusst atmen und sich darauf besinnen, den Tag achtsam zu ver­bringen. Auch gewöhnliche Tätigkeiten wie etwa Zähneputzen, Geschirrspülen oder E-Mails-Schreiben sollte man achtsam verrichten. In jedem solchen Moment kann man sich außerdem „innerliche Notizen“ machen und so die jeweiligen Empfindun­gen dokumentieren. Zwischendurch gilt es auch, einfach einmal innezuhalten und den gegenwärtigen Augenblick zu genießen. 

Entspannung ohne Aufwand

Dreimal täglich kann man sich zusätzlich eine Minute der vollen Achtsamkeit gönnen, als Erinne­rung daran können auch banale Geräusche wie etwa Telefonklingeln oder Autohupen wahrgenommen werden. Im Laufe des Tages sollte man auch öfter in den Körper hinein spüren und ein kleines Stretching einbauen. Auch dem Essen kann man Achtsamkeit entgegenbringen, indem man Lebensmittel ganz bewusst genießt. Unser Alltag bietet außerdem viele Wartezeiten – ob bei roten Ampeln oder an der Super­marktkasse. Hier kann man die Aufmerk­samkeit beispielsweise gezielt auf die eigene Atmung lenken. Vor dem Einschla­fen sollte man den achtsamen Tag am besten noch einmal Revue passieren lassen und über gut gelungene oder zu wenig achtsame Momente nachdenken. Mit we­nig Zeitaufwand und ganz ohne Ausgaben für einen Entspannungsurlaub, stellt sich so bald eine ausgeglichene und gelassene Lebenshaltung ein.

 

 

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Spirituelle Fastenkur

Die Reinigung von Körper und Geist kann aber auch durch Heil­fasten geschehen. Besonders be­kannt für Kuren nach Hildegard von Bin­gen ist der Orden der Marienschwestern vom Karmel in Oberösterreich. Im Erho­lungshaus der Schwestern in Grünau im Almtal oder aber in ihren „Traditionshäu­sern“ in Aspach, Bad Kreuzen und Bad Mühllacken, kann gefastet, meditiert und gekneipt werden. Im deutschen Klosterstift St. Marienthal in Ostritz (Sachsen), hat man sich dem Fasten für Gesunde, bei dem gänzlich auf Nahrung verzichtet wird, und dem Basenfasten, nur mit Obst und Gemüse, verschrieben. Aber auch Besin­nungswochen und Kreativseminare wer­den im wunderschön gelegenen Anwesen geboten. Fasten bedeu­tet aber nicht immer, auf Nahrung zu ver­zichten, sondern sich bewusst zu ernähren, Wanderungen in der Natur zu unternehmen und so auf eine Reise zu sich selbst zu ge­hen. Neben Diäten und Meditation kann die Zeit in einer Ordensge­meinschaft auch volle Lebenslust bedeu­ten: So sind viele Klöster in herrliche Land­schaften eingebettet, verfügen über prächtige Gärten und auch das Gespräch mit den Ordensmitgliedern kann zu neuen Sicht­weisen und frischer Inspiration führen. 

Besinnung durch radikale Stille

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Den Gästen des Klosters wird viel Raum und Zeit gegeben, sich selbst zu finden und zur Ruhe zu kom­men. Wer buchstäblich die „innere Pause­taste“ drücken möchte, ist in einem Schweige­kloster gut aufgehoben. In den Tagen der Stille wird nicht gesprochen, gelesen, fern­gesehen und der Tagesablauf liegt ganz in der Hand des leitenden Ordensmitgliedes. Eine drastische Methode, mit denen manche zu Beginn überfordert sind. Doch das Durch­halten lohnt sich: Wenn alle äußeren Ein­flüsse wegfallen, so der Gedanke dieser Meditationsart, wird man schnell mit dem Innersten, den eigenen Sehnsüchten, Wün­schen und Ängsten, konfrontiert. Besonders bekannt für diese stillen Tage ist das steiri­sche Kapuzinerkloster Falkenburg bei Irdning. Es wurde im Jahr 1711 gegründet und bietet seither Ordensmitgliedern sowie auch Gäs­ten einen Ort der Ruhe und Besinnung.

Die Aufnahme von Fremden  in geistliche  Einrichtungen hat Tradition: Schon der Heilige Benedikt hielt in seinen Klosterregeln fest, dass Gäste hier willkommen sind. Im Unterschied zu früher stehen heute statt einfachen Zimmern komfortable Räume zur Verfügung und anstelle des Brotes werden reichhaltige Mahlzeiten serviert – deshalb ist der Aufenthalt auch nicht immer billig. Wer nach einer Auszeit sucht, vom klösterlichen Leben fasziniert ist, in Ruhe über den Sinn des Lebens nachdenken möchte oder Interesse an Meditation, Bewegung und Fasten hat, der ist dort auf jeden Fall gut aufgehoben. Urlaub im Kloster ist aber mehr als eine angenehme Art der Freizeitgestaltung: Wer sich dort niederlässt, lässt sich gleichzeitig auf die Tradition, die Stille und den Rhythmus des Klosterlebens ein.

Abseits von Meetings, Mails und Handy sehnen sich immer  mehr Menschen nach einer Auszeit aus dem hektischen Alltag.  Im Kloster finden sie einen Ort der Ruhe und Einkehr.